BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik in der Fensterscheibe
Solarzellen direkt in der Fensterscheibe – BIPV verbindet Stromerzeugung mit Verglasung. Was die Technologie kann, was sie kostet und wo sie eingesetzt wird.
Was ist gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV)?
Gebäudeintegrierte Photovoltaik, kurz BIPV (Building-Integrated Photovoltaics), bezeichnet Solarmodule, die direkt als Bauteil der Gebäudehülle dienen – also nicht nur aufgeständert auf einem Dach montiert werden, sondern die Dach-, Fassaden- oder Verglasung selbst ersetzen. Im Bereich der Fensterverglasung bedeutet das: Solarzellen werden zwischen oder auf den Glasscheiben eines Fensters integriert, sodass das Fenster gleichzeitig Tageslicht durchlässt, Witterung abhält und elektrischen Strom erzeugt.
Diese Technologie ist kein Zukunftstraum mehr, sondern bereits am Markt erhältlich – allerdings noch immer teuer und in bestimmten Segmenten konzentriert.
Technologien im BIPV-Bereich
Dünnschicht-Solarzellen
Dünnschichttechnologien wie amorphes Silizium, CIS oder CdTe lassen sich besonders gut in Glas integrieren. Die Zellen werden in sehr dünnen Schichten auf das Glas aufgedampft. Vorteile:
Nachteile:
Kristalline Silizium-Zellen (monokristallin/polykristallin)
Die leistungsstärkste und bekannteste Solarzellentechnologie kann ebenfalls in Fenster integriert werden – allerdings mit anderer Optik. Die einzelnen Zellen sind als strukturierte Elemente sichtbar, zwischen denen Licht hindurchfällt.
Organische Photovoltaik (OPV)
Eine Technologie im Forschungs- und frühen Marktbereich:
Teiltransparenz als zentrales Merkmal
BIPV-Fenster sind teiltransparent, nicht vollständig klar. Der sichtbare Lichtdurchlassgrad (VLT) liegt je nach Technologie und Ausführung zwischen 10 % und 60 %. Das bedeutet:
Das optimale Gleichgewicht zwischen Transparenz und Energieerzeugung ist eine der wesentlichen Planungsaufgaben bei BIPV-Projekten. Für Wohngebäude werden in der Regel höhere Transparenzwerte bevorzugt (40–60 %), während für Bürofassaden oder Wintergärten auch 20–30 % akzeptabel sein können.
Anwendungsbereiche
Glasfassaden bei Bürogebäuden
Der häufigste Anwendungsfall für BIPV-Verglasung sind großflächige Vorhangfassaden moderner Bürogebäude. Hier spielt die exakte Transparenz eine geringere Rolle als bei Wohngebäuden. Die Fassade erzeugt Strom, der direkt im Gebäude genutzt wird.
Wintergärten
Ein Wintergarten mit BIPV-Dachelemenenten nutzt ohnehin vorhandene Sonneneinstrahlung effizient. Die teiltransparente Verglasung dient gleichzeitig als natürlicher Sonnenschutz – ein Mehrwert gegenüber konventionellem Klarglas.
Oberlichten und Dächer
Glasdächer, Oberlichten und schräge Glasflächen eignen sich besonders gut für BIPV, da die Solarstrahlung bei schräger Fläche effektiver auftrifft als bei senkrechten Fassaden.
Repräsentative Eingangsbereiche
BIPV-Verglasung als architektonisches Statement für nachhaltige Unternehmensgebäude, Verwaltungsbauten und öffentliche Einrichtungen gewinnt an Bedeutung.
Wirkungsgrade und Stromerzeugung
Der Wirkungsgrad von BIPV-Scheiben liegt je nach Technologie bei:
Zum Vergleich: Standard-Dach-Solarmodule erreichen 20–23 % Wirkungsgrad. BIPV ist also weniger effizient pro Flächeneinheit – bietet aber den Vorteil, bereits vorhandene Fassaden- und Fensterflächen zu nutzen, die andernfalls keine Energie erzeugen würden.
Bei einer 10 m² großen Südfassade mit BIPV-Verglasung kann die jährliche Stromerzeugung in Deutschland bei 300–600 kWh liegen – abhängig von Ausrichtung, Verschattung und Systemart.
Kosten – der kritische Faktor
BIPV-Verglasung ist teuer. Im Vergleich:
Der Gesamtinvestitionsbedarf für eine BIPV-Fensterfassade liegt erheblich über dem konventioneller Alternativen. Die Amortisationszeit beträgt bei aktuellen Energiepreisen häufig 20–35 Jahre – also nahezu die gesamte erwartete Lebensdauer. Nur bei sehr günstigen Bedingungen (große Fassadenfläche, hohe Sonneneinstrahlung, Förderung) verkürzt sich das spürbar.
Förderung und Rahmenbedingungen
Zukunftsperspektive
BIPV wird in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen. Treiber sind:
Industrieanalytiker erwarten eine Verdopplung des BIPV-Markts bis 2030. Für Wohngebäude wird der Standardeinsatz aber noch einige Jahre auf sich warten lassen – zu dominant bleibt der Preisunterschied zur konventionellen Aufdach-Solaranlage.
Worauf beim Kauf zu achten ist
Fazit
BIPV-Verglasung ist technologisch ausgereift und architektonisch reizvoll – aber noch immer teuer und für Standardanwendungen im Wohnungsbau wenig wirtschaftlich. Für große Glasfassaden, Wintergärten und repräsentative Gewerbeobjekte bietet die Technologie hingegen echten Mehrwert: Stromerzeugung, Sonnenschutz und Ästhetik in einem. Wer jetzt investiert, profitiert von einem Produkt der Zukunft – muss aber bereit sein, einen erheblichen Aufpreis gegenüber konventionellen Lösungen zu zahlen.
Häufige Fragen
Welche Verglasung eignet sich für BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?
Im Bereich der Fensterverglasung bedeutet das: Solarzellen werden zwischen oder auf den Glasscheiben eines Fensters integriert, sodass das Fenster gleichzeitig Tageslicht durchlässt, Witterung abhält und elektrischen Strom erzeugt.
Was ist der Unterschied zwischen den Verglasunsarten bei BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?
Die teiltransparente Verglasung dient gleichzeitig als natürlicher Sonnenschutz – ein Mehrwert gegenüber konventionellem Klarglas.
Wie viel kostet eine neue Verglasung für BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?
100–200 €/m² Hochwertige Sonnenschutzverglasung: 150–350 €/m² BIPV-Verglasung: 400–1.200 €/m² (ohne Montage und Wechselrichter) Der Gesamtinvestitionsbedarf für eine BIPV-Fensterfassade liegt erheblich über dem konventioneller Alternativen.
Welchen U-Wert erreicht BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?
Gebäudeintegrierte Photovoltaik, kurz BIPV (Building-Integrated Photovoltaics), bezeichnet Solarmodule, die direkt als Bauteil der Gebäudehülle dienen – also nicht nur aufgeständert auf einem Dach montiert werden, sondern die Dach-, Fassaden- oder Verglasung selbst ersetzen.
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