SchallschutzLesedauer: 6 Min.Januar 2026

VDI 2719: Die Schallschutz-Norm für Fenster erklärt

Die VDI 2719 ordnet Fenster in Außenpegelklassen ein und liefert die Grundlage für eine normgerechte Schallschutzplanung. Was Planer und Bauherren wissen müssen.

Was ist die VDI 2719?

Die VDI-Richtlinie 2719 „Schalldämmung von Fenstern und deren Zusatzeinrichtungen" ist das wichtigste Planungsdokument für die Auswahl von Schallschutzfenstern in Deutschland. Sie wird vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) herausgegeben und gilt als technischer Standard für die Planung und den Nachweis von Schallschutzmaßnahmen an der Fassade.

Im Unterschied zur DIN 4109, die baurechtliche Mindestanforderungen definiert, ist die VDI 2719 eine Empfehlungsrichtlinie für die Planung. Sie gibt dem Fachplaner ein Werkzeug an die Hand, um systematisch vom gemessenen Außenpegel zur richtigen Fenster-Schallschutzklasse zu gelangen.

Aufbau und Struktur der VDI 2719

Die VDI 2719 ist in mehrere Abschnitte gegliedert:

  • Außenpegelklassen: Klassifikation verschiedener Lärmszenarien nach ihrem Tages- und Nacht-Außenpegel
  • Raumnutzungskategorien: Unterteilung der Räume nach Anforderung (Schlafen, Wohnen, Büro, Nebenräume)
  • Korrekturwerte: Berücksichtigung besonderer Umstände (Lage, Glasanteil der Fassade, Topographie)
  • Anforderungs-Matrix: Verknüpfung von Außenpegelklasse und Raumnutzung zur erforderlichen Schallschutzklasse
  • Außenpegelklassen nach VDI 2719

    Die VDI 2719 definiert sieben Außenpegelklassen (APK) auf Basis des maßgeblichen Außenpegels:

  • APK I: Außenpegel < 45 dB(A) – sehr ruhige Lage
  • APK II: 45 bis 50 dB(A)
  • APK III: 51 bis 55 dB(A)
  • APK IV: 56 bis 60 dB(A)
  • APK V: 61 bis 65 dB(A)
  • APK VI: 66 bis 70 dB(A)
  • APK VII: > 70 dB(A)
  • Der maßgebliche Außenpegel ist der energetische Mittelpegel (L Aeq) in der ungünstigsten Zeit (Tag oder Nacht, je nach Raumnutzung). Für Schlafräume ist der Nacht-Außenpegel maßgeblich; für Wohnräume der Tagespegel.

    Korrekturwerte in der VDI 2719

    Die direkte Zuordnung von APK zu SSK ist nicht immer ausreichend präzise. Die Richtlinie kennt verschiedene Korrekturwerte, die den erforderlichen Rw-Wert erhöhen oder verringern können:

  • Topographischer Zuschlag: Bei Reflexionen (z. B. zwischen zwei Gebäuden) kann der effektive Pegel höher sein als der gemessene Wert – Zuschlag bis +5 dB
  • Hochfrequenzbetonung: Wenn der Lärm stark hochfrequente Anteile hat (z. B. Schlagzeuglärm), ist ein Zuschlag erforderlich
  • Tieffrequenzbetonung: Bei tieffrequenzbetontem Lärm (Bahnlärm, Fluglärm) kann ein Zuschlag für Ctr-Spektrum nötig sein
  • Erhöhter Glasanteil der Fassade: Wenn der Fensterflächenanteil einer Fassade über 40 % liegt, steigen die Anforderungen
  • Anwendung der VDI 2719 in der Praxis

    Der typische Planungsablauf nach VDI 2719:

  • Schritt 1 – Außenpegel ermitteln: Messung oder Berechnung des maßgeblichen Außenpegels an der betreffenden Fassade
  • Schritt 2 – APK bestimmen: Einordnung des Außenpegels in die Außenpegelklasse nach der Tabelle
  • Schritt 3 – Raumnutzung festlegen: Ist der Raum ein Schlaf-, Wohn- oder Arbeitsraum?
  • Schritt 4 – Korrekturwerte prüfen: Sind Zuschläge für Topographie, Frequenzspektrum oder Glasanteil nötig?
  • Schritt 5 – Erforderliche SSK bestimmen: Aus APK, Raumnutzung und Korrekturen ergibt sich die Mindest-SSK
  • Schritt 6 – Fenster auswählen: Produkt mit nachgewiesenem Rw-Wert in der erforderlichen Klasse wählen
  • VDI 2719 und DIN 4109: Was gilt wann?

    Häufige Verwirrung entsteht durch das Nebeneinander von VDI 2719 und DIN 4109:

  • DIN 4109 ist baurechtlich relevant und stellt Mindestanforderungen, die bei baugenehmigungspflichtigen Vorhaben einzuhalten sind
  • VDI 2719 ist eine Planungsempfehlung, die über die DIN 4109-Mindestanforderungen hinausgehen kann
  • In lärmintensiven Lagen liefert VDI 2719 strengere Anforderungen als DIN 4109
  • Bebauungspläne und Baugenehmigungsbescheide können die Anwendung von VDI 2719 explizit fordern
  • Für die Praxis gilt: DIN 4109 ist das rechtliche Minimum, VDI 2719 ist das fachliche Optimum. Wer nach VDI 2719 plant, liegt auf der sicheren Seite.

    Wer braucht die VDI 2719?

    Die VDI 2719 wird primär von Fachplanern, Architekten und Gutachtern verwendet. Für den privaten Bauherren ist die direkte Anwendung der Norm nicht notwendig – aber das Verständnis des Systems hilft bei der Kommunikation mit dem Planer oder Fensterbauer.

    Fragen Sie beim Angebot: „Wurde die Fensterauswahl nach VDI 2719 ermittelt?" Ein guter Fachbetrieb sollte diese Frage bejahen oder zumindest den Planungsweg transparent machen können.

    Fazit

    VDI 2719 ist der systematische Rahmen für die Auswahl von Schallschutzfenstern. Sie verbindet gemessenen Außenpegel mit Raumnutzung und liefert über definierte Korrekturwerte die erforderliche Schallschutzklasse. Wer professionell plant und vorsorgt, sollte VDI 2719 als Planungsgrundlage einfordern.

    Häufige Fragen

    Wie effektiv ist VDI 2719: Schallschutz-Norm Fenster gegen Straßenlärm?

    Die VDI-Richtlinie 2719 „Schalldämmung von Fenstern und deren Zusatzeinrichtungen" ist das wichtigste Planungsdokument für die Auswahl von Schallschutzfenstern in Deutschland.

    Welche Schallschutzklasse bietet VDI 2719: Schallschutz-Norm Fenster?

    Sie gibt dem Fachplaner ein Werkzeug an die Hand, um systematisch vom gemessenen Außenpegel zur richtigen Fenster-Schallschutzklasse zu gelangen. Die VDI 2719 wird primär von Fachplanern, Architekten und Gutachtern verwendet.

    Was kostet VDI 2719: Schallschutz-Norm Fenster mit gutem Schallschutz?

    Die VDI-Richtlinie 2719 „Schalldämmung von Fenstern und deren Zusatzeinrichtungen" ist das wichtigste Planungsdokument für die Auswahl von Schallschutzfenstern in Deutschland.

    Ab welchem Lärmpegel lohnt sich VDI 2719: Schallschutz-Norm Fenster?

    Im Unterschied zur DIN 4109, die baurechtliche Mindestanforderungen definiert, ist die VDI 2719 eine Empfehlungsrichtlinie für die Planung.

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