PVB-Zwischenschicht in Schallschutzglas: Funktion und Wirkung
Die PVB-Folie in Verbundsicherheitsglas macht mehr als nur Scherben zusammenhalten. Wie sie den Schallschutz um bis zu 5 dB verbessert.
Was ist PVB und warum steckt es in Schallschutzglas?
Wer Schallschutzglas kauft, begegnet früher oder später dem Begriff PVB-Folie oder PVB-Zwischenschicht. PVB steht für Polyvinylbutyral – ein thermoplastischer Kunststoff, der seit Jahrzehnten im Fahrzeugbau als Verbindungsschicht in Windschutzscheiben eingesetzt wird. In der Baubranche kommt er als Folie in Verbundsicherheitsglas (VSG) zum Einsatz.
Ursprünglich war die PVB-Folie ausschließlich für Sicherheitszwecke gedacht: Bei einem Glasbruch hält sie die Scherben zusammen, verhindert gefährlichen Splitterregen und kann Einbruchsversuche verlangsamen. Doch die Folie hat noch eine zweite, schallschutztechnisch wertvolle Eigenschaft – und die steht im Mittelpunkt dieses Artikels.
Die viskoelastische Eigenschaft von PVB
PVB-Folie ist viskoelastisch. Das bedeutet: Sie verhält sich je nach Belastungsart teils wie ein Feststoff (elastisch) und teils wie eine zähe Flüssigkeit (viskos). Bei schnellen mechanischen Schwingungen – also Schallwellen – absorbiert die Folie einen Teil der Schwingungsenergie und wandelt sie in Wärme um.
Dieser Mechanismus ist der Schlüssel zur schalldämpfenden Wirkung. Wenn eine Schallwelle auf die Außenscheibe eines VSG-Glases trifft und diese zum Schwingen bringt, wird die Schwingungsenergie nur gedämpft an die innere Scheibe weitergegeben. Die PVB-Schicht wirkt wie ein mechanisches Dämpfungselement – ähnlich wie ein Stoßdämpfer im Auto.
Normales VSG vs. Schallschutz-VSG
Nicht jede PVB-Folie ist gleich. Im normalen Verbundsicherheitsglas wird eine PVB-Folie der Standarddicke von 0,38 mm oder 0,76 mm verwendet. Diese bietet bereits eine geringe Schwingungsdämpfung, die aber für spürbaren Schallschutz nicht ausreicht.
Für gezielten Schallschutz werden spezielle akustische PVB-Folien eingesetzt:
Hersteller wie Kuraray (Trosifol), Solutia oder Eastman bieten speziell für den Schallschutz optimierte PVB-Folien an. Diese sind deutlich wirksamer als Standard-PVB und bilden die Grundlage für Schallschutzglas ab SSK 2.
Wie viel bringt die PVB-Folie konkret?
Der schallschutztechnische Gewinn durch akustische PVB-Folie ist messbar. Im Vergleich zu einem identischen Glasaufbau ohne PVB-Folie (also normalem Floatglas statt VSG):
Ein Beispiel: Ein symmetrisches Isolierglas 6/16/6 mm ohne akustische Folie erreicht typischerweise einen Rw-Wert von ca. 32 dB. Ersetzt man die normale Floatglasscheiben durch VSG mit akustischer PVB-Folie (VSG 8/16/VSG 8), steigt der Rw-Wert auf ca. 37 bis 39 dB – ohne dass der Scheibenzwischenraum verändert wurde.
Kombination: PVB-Folie und asymmetrische Verglasung
Die stärkste Wirkung entfaltet akustische PVB-Folie in Kombination mit asymmetrischer Verglasung. Die zwei Effekte ergänzen sich:
Typische Aufbauten für SSK 3 und SSK 4:
Hersteller stellen für ihre Produkte Prüfzeugnisse nach DIN EN ISO 10140 aus. Verlassen Sie sich beim Kauf nicht auf Herstellerversprechen, sondern fordern Sie das akkreditierte Prüfzertifikat mit dem Rw-Wert an.
EVA-Folie als Alternative zu PVB
Neben PVB gibt es Ethylenvinylacetat (EVA) als alternative Zwischenschicht. EVA ist wasserfester und UV-stabiler als PVB, hat aber eine etwas geringere schallschutztechnische Wirkung. Im spezialisierten Schallschutz wird EVA seltener eingesetzt; PVB und die neueren PVB-Akustikfolien bleiben der Standard.
Innonativer sind Ionomerglas-Verbunde (SentryGlas, SGP) – diese bieten sehr hohe Steifigkeit und guten Einbruchschutz, aber keine akustisch optimierten Eigenschaften für den Schallschutz.
Einfluss auf Wärmedämmung und Optik
Die PVB-Folie beeinflusst die Wärmedämmung kaum. Der U-Wert des Glases wird im Wesentlichen durch den Scheibenzwischenraum, die Gasfüllung und die Low-E-Beschichtung bestimmt, nicht durch die Folie.
Optisch ist Schallschutz-VSG von außen nicht von normalem Glas zu unterscheiden. Es gibt leichte Farbvarianten (leicht bläulich, grünlich oder klar) je nach Hersteller und Folienzusammensetzung, die aber kaum wahrnehmbar sind.
Fazit
Die PVB-Zwischenschicht in Schallschutzglas ist mehr als ein Sicherheitsmerkmal. Spezielle akustische PVB-Folien dämpfen Glasscheibenschwingungen messbar und verbessern das Schalldämmmaß um 3 bis 5 dB – besonders an der kritischen Koinzidenzfrequenz. In Kombination mit asymmetrischer Verglasung entsteht das leistungsfähige Schallschutzglas, das SSK 3 und SSK 4 ermöglicht.
Häufige Fragen
Wie effektiv ist PVB-Zwischenschicht Schallschutzglas: Funktion Wirkung gegen Straßenlärm?
Spezielle akustische PVB-Folien dämpfen Glasscheibenschwingungen messbar und verbessern das Schalldämmmaß um 3 bis 5 dB – besonders an der kritischen Koinzidenzfrequenz. Wer Schallschutzglas kauft, begegnet früher oder später dem Begriff PVB-Folie oder PVB-Zwischenschicht.
Welche Schallschutzklasse bietet PVB-Zwischenschicht Schallschutzglas: Funktion Wirkung?
Der schallschutztechnische Gewinn durch akustische PVB-Folie ist messbar. Ersetzt man die normale Floatglasscheiben durch VSG mit akustischer PVB-Folie (VSG 8/16/VSG 8), steigt der Rw-Wert auf ca.
Was kostet PVB-Zwischenschicht Schallschutzglas: Funktion Wirkung mit gutem Schallschutz?
Wer Schallschutzglas kauft, begegnet früher oder später dem Begriff PVB-Folie oder PVB-Zwischenschicht.
Ab welchem Lärmpegel lohnt sich PVB-Zwischenschicht Schallschutzglas: Funktion Wirkung?
Bei schnellen mechanischen Schwingungen – also Schallwellen – absorbiert die Folie einen Teil der Schwingungsenergie und wandelt sie in Wärme um. Diese bietet bereits eine geringe Schwingungsdämpfung, die aber für spürbaren Schallschutz nicht ausreicht.
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