Ug-Wert: Der Wärmedurchgang des Glases einfach erklärt
Der Ug-Wert beschreibt, wie gut eine Verglasung Wärme dämmt. Was typische Werte bedeuten und welche Glasarten es gibt, erfahren Sie hier.
Was ist der Ug-Wert?\n\nDer Ug-Wert (g steht für „glazing, also Verglasung) ist der Wärmedurchgangskoeffizient der Glasscheibe allein – ohne den Rahmen. Er gibt an, wie viel Wärme pro Sekunde durch einen Quadratmeter Glas fließt, wenn der Temperaturunterschied zwischen innen und außen 1 Kelvin beträgt. Die Einheit ist W/m²K (Watt pro Quadratmeter und Kelvin).\n\nJe niedriger der Ug-Wert, desto besser dämmt das Glas.\n\n## Ug-Wert vs. Uw-Wert: Der Unterschied\n\nHier herrscht bei Hausbesitzern oft Verwirrung:\n\n- **Ug-Wert:** Wärmedurchgang der Verglasung allein (Glasscheibe ohne Rahmen)\n- **Uw-Wert:** Wärmedurchgang des gesamten Fensters (Glas + Rahmen + Randverbund)\n- **Uf-Wert:** Wärmedurchgang des Rahmens allein\n\nWenn in Prospekten oder Angeboten von „Fenstern mit Ug 0,6 gesprochen wird, bezieht sich das nur auf die Verglasung. Der Uw-Wert des fertigen Fensters ist immer etwas schlechter als der Ug-Wert, weil der Rahmen die Energiebilanz verschlechtert. Ein typisches Fenster mit Ug = 0,6 W/m²K hat einen Uw-Wert von etwa 0,8–1,0 W/m²K.\n\n## Typische Ug-Werte im Überblick\n\n### Einfachverglasung\n\n- **Ug = 4,5–5,0 W/m²K** – einfaches Glas ohne jede Dämmfunktion\n- Nur noch in historischen Gebäuden, Gewächshäusern oder für Denkmalschutz-Anwendungen relevant\n- Stark kalt im Winter, hohe Kältestrahlung, häufig Kondensat\n\n### Zweifachverglasung (Isolierglas)\n\n- **Ug = 2,8–3,0 W/m²K** – ältere Zweifachverglasung ohne Beschichtung (bis ca. 1995)\n- **Ug = 1,4–1,6 W/m²K** – einfaches Wärmeschutzglas der 1990er Jahre\n- **Ug = 1,0–1,1 W/m²K** – modernes Zweischeiben-Wärmeschutzglas mit Low-E-Beschichtung und Argonfüllung\n\nModerne Zweifachverglasungen mit Ug = 1,0 W/m²K sind heute der Minimalstandard bei Neuinstallationen. Sie erfüllen die GEG-Anforderungen für Bestandsgebäude, sind aber für Neubauten nicht ausreichend.\n\n### Dreifachverglasung\n\n- **Ug = 0,6–0,7 W/m²K** – Standard-Dreifachverglasung mit Argonfüllung und zwei Low-E-Beschichtungen\n- **Ug = 0,5–0,55 W/m²K** – Premium-Dreifachverglasung mit Kryptonfüllung\n- **Ug = 0,4–0,5 W/m²K** – Hochleistungsverglasung für Passivhaus-Anwendungen\n\nDreifachverglasung ist heute für Neubauten Standard. Für Passivhäuser und KfW-Effizienzhäuser 40 ist Dreifachverglasung mit Ug ≤ 0,60 W/m²K praktisch Pflicht.\n\n### Vierfachverglasung\n\n- **Ug = 0,3–0,4 W/m²K** – mit drei Scheibenzwischenräumen und Kryptonfüllung\n- Selten, teuer, schwer – aber für Superniedrigstenergiegebäude sinnvoll\n- Gewicht ca. 50–70 kg/m² (Dreifach: ca. 35–45 kg/m²)\n\n## Wie entsteht ein niedriger Ug-Wert?\n\nDrei physikalische Maßnahmen verbessern den Ug-Wert:\n\n### Low-E-Beschichtungen\n\nLow-E steht für „Low Emissivity – niedrige Wärmeabstrahlung. Metalloxid-Beschichtungen werden im Hochvakuum auf eine Glasoberfläche aufgetragen und reflektieren langwellige Wärmestrahlung zurück in den Raum.\n\n- **Softcoat (Magnetron-Sputtering):** Empfindliche Beschichtung, muss im Scheibenzwischenraum platziert sein. Bessere Werte als Hardcoat.\n- **Hardcoat (CVD-Verfahren):** Robuster, kann auch auf Außenscheiben. Etwas schlechtere Emissivität.\n\nTypische Position der Beschichtung: Bei Zweifachverglasung auf Seite 3 (Innenseite der äußeren Scheibe). Bei Dreifachverglasung auf Seiten 2 und 5.\n\n### Gasfüllungen\n\nDer Scheibenzwischenraum wird nicht mit Luft, sondern mit Edelgas gefüllt:\n\n- **Luft:** Wärmeleitfähigkeit 0,024 W/mK (schlechteste Option)\n- **Argon:** Wärmeleitfähigkeit 0,016 W/mK – Standardfüllung, günstig, weit verbreitet\n- **Krypton:** Wärmeleitfähigkeit 0,009 W/mK – deutlich besser, teurer, erlaubt schmalere Scheibenzwischenräume\n- **Xenon:** Wärmeleitfähigkeit 0,005 W/mK – beste Dämmwirkung, sehr selten und sehr teuer\n\nArgon ist bei weitem die häufigste Gasfüllung. Der Argon-Anteil im Scheibenzwischenraum sollte laut Norm mindestens 90 % betragen (EN 1279).\n\n### Optimaler Scheibenabstand\n\nDer Abstand zwischen den Scheiben beeinflusst den Ug-Wert. Zu eng und zu weit sind beide suboptimal:\n\n- Zweifachverglasung optimal: 14–16 mm Scheibenabstand\n- Dreifachverglasung optimal: 2 × 10–14 mm\n- Mit Krypton: schmalere Abstände von 8–10 mm möglich (wichtig für Einbau in Altrahmen)\n\n## Ug-Wert und Lichtdurchlässigkeit\n\nEin häufiges Missverständnis: Manche Hausbesitzer befürchten, dass bessere Wärmedämmung (niedrigerer Ug) das Glas dunkler macht. Das stimmt nicht zwingend:\n\n- Dreifachverglasung hat eine Lichtdurchlässigkeit von ca. 70–72 %\n- Zweifachverglasung: ca. 80–82 %\n- Der Unterschied ist im Alltag kaum wahrnehmbar\n- Sonnenschutzverglasung reduziert die Lichtdurchlässigkeit stärker (auf 30–60 %), ist aber eine andere Produktkategorie\n\n## Ug-Wert in der Praxis: Welcher Wert ist für mein Projekt richtig?\n\n### Für einfache Sanierung im Bestand\n\n- Ug = 1,0 W/m²K (Zweifachverglasung modern) ist ausreichend, wenn das Budget begrenzt ist und kein Förderprogramm beantragt wird\n- Empfehlung: Besser in Dreifachverglasung investieren\n\n### Für geförderte Sanierung (BEG)\n\n- Ug ≤ 0,70 W/m²K ist Voraussetzung für BAFA-Förderung\n- Dreifachverglasung mit Argonfüllung ist Mindeststandard\n\n### Für Neubau (GEG-konform)\n\n- Ug ≤ 0,70 W/m²K erforderlich, um Uw ≤ 0,90 W/m²K zu erreichen\n- Dreifachverglasung Standard\n\n### Für Passivhaus\n\n- Ug ≤ 0,55 W/m²K, idealerweise mit Kryptonfüllung\n- Premium-Dreifachverglasung oder Vierfachverglasung\n\n## Fazit\n\nDer Ug-Wert ist ein wichtiger, aber nicht der einzige relevante Kennwert beim Fensterkauf. Entscheidend für die Gesamtperformance ist der Uw-Wert des eingebauten Fensters, der Rahmen, der Randverbund und die Qualität des Einbaus. Achten Sie beim Angebot Ihres Fensterbauers stets auf klare Angaben zu Ug, Uf und Uw – und fragen Sie nach der Gasfüllung.
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